Zwei Kräfte
Two Forces
Über den Zufall als Verfahrensbestandteil — und warum er nur trägt, wenn man ihm mit gleicher Entschiedenheit begegnet.
Im Atelier arbeite ich mit dem Zufall, nicht gegen ihn und nicht ohne ihn. Ich ziehe Ölfarbe mit der Rakel über die Fläche, lege Schicht über Schicht, gehe mit dem Messer in noch feuchte oder schon angetrocknete Stellen. Was darunter liegt, wird teilweise mitgenommen, teilweise freigelegt. Vieles davon kann ich nicht planen.
Der Zufall ist dabei kein Gegner, sondern Verfahrensbestandteil. Aber er wird nur dann interessant, wenn ich ihm mit derselben Entschiedenheit begegne, mit der er in das Bild eingreift. Zwei Kräfte, die einander aufschaukeln, je entschiedener jede ihre Richtung hält. Eine inszenierte Zufälligkeit wäre das Gegenteil davon – ein Bild, in dem keine der beiden Kräfte mehr echt ist.
Was zwischen ihnen entsteht, ist nicht der Zufall als solcher, sondern sein kontrolliertes Wirken. Jede Spur, die im Bild stehenbleibt, ist nicht zufällig stehengeblieben – sie ist eine Entscheidung. Die Spur selbst war Zufall, ihre Erhaltung nicht.
Fertig ist das Bild, wenn keine weitere Entscheidung mehr möglich ist, ohne das Bild zu schwächen oder zu zerstören.
In the studio I work with chance, not against it and not without it. I pull oil paint across the surface with the squeegee, build layer upon layer, cut into still-wet or already drying passages with the knife. What lies underneath is partly taken along, partly exposed. Much of this cannot be planned.
Chance is not an opponent here. It is a co-author. But it only becomes interesting when I meet it with the same decisiveness with which it enters the painting. Two forces that intensify each other the more clearly each holds its direction. A staged chance would be the opposite — a painting in which neither force is real anymore.
What emerges between them is not chance as such, but its controlled operation. Every trace that remains in the painting did not remain by chance — it is a decision. The trace itself was chance; its preservation was not.
The painting is finished when no further decision can be made without weakening or destroying it.